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Positives denken

Das Positive Denken ist ein im Bereich der populärwissenschaftlichen, angewandten Psychologie verbreitetes Konzept, welches als Ideologie oft in Psychokursen und Persönlichkeitsseminaren von so genannten Motivationstrainern oder in der entsprechenden Ratgeberliteratur propagiert wird. Weitere Synonyme sind “neues Denken”, “richtiges Denken”, “Kraftdenken” oder “mentaler Positivismus”.

Die Methode “Positives Denken” zielt im Kern darauf ab, dass der Anwender durch konstante positive Beeinflussung seines bewussten Denkens (z.B. mit Hilfe von Affirmationen oder Visualisierungen) in seinen Gedanken eine dauerhaft konstruktive und optimistische Grundhaltung erreicht und infolgedessen eine höhere Zufriedenheit und Lebensqualität erzielt.

In den meisten Werken, die sich mit dem Thema befassen, nimmt der Glaube eine zentrale Stellung ein. Allerdings handelt es sich hierbei nicht in erster Linie um einen religiös motivierten und transzendental ausgerichteten Glauben, sondern um die Überzeugung, dass Dinge, die ein Mensch für “wahr” hält, die Tendenz haben, sich in seinem Leben zu verwirklichen. Dennoch ist die Grenze zur Esoterik oft fließend.

Damit verbunden ist ein weiterer zentraler Aspekt des Positiven Denkens, die (indirekte) Beeinflussung des unbewussten Denkens bzw. Unterbewusstseins durch das gezielte (bewusste) Denken positiver Gedanken. Dieser Aspekt nimmt z. B. in der Lehre von Joseph Murphy eine tragende Rolle ein.

Wenngleich das Konzept des Positiven Denkens von vielen Seiten kritisiert und teilweise sogar als völlig wirkungslos betrachtet wird, liefert die neuere Hirnforschung Anhaltspunkte dafür, dass gewohnheitsmäßige Denkmuster mittel- und langfristig Auswirkungen auf unsere Gehirnaktivität haben. Auch sind Suggestion und Autosuggestion zum Beispiel in der Schmerztherapie kurzfristig therapeutisch nutzbar.

Von vielen Meditationslehrern wird das Positive Denken kritisiert, da es lediglich eine weitere Manipulation des Bewusstseins sei und somit natürliche geistig-seelische Entwicklungsprozesse nur behindere.

Psychologen und Psychiater warnen ausdrücklich davor, dass die Methoden labile und depressive Patienten weiter schädigen können. Besonders bei unkritischen Menschen können sie auch zu einem Realitätsverlust führen. Der Realitätsverlust kann durch das Vermeiden von kritischen Fragen und der damit einhergehenden teilweisen Leugnung von vorhandenen Schwächen entstehen. Vernachlässigt werden zudem die unterschiedlichen Fähigkeiten des Menschen, ihre unterschiedliche Persönlichkeitsstruktur sowie die Wechselwirkung zwischen individueller Psyche und sozialer Umgebung.

Oswald Neuberger, Professor für Psychologie an der Universität Augsburg, sieht in der Methode des Positiven Denkens eine zirkuläre Falle: “Wenn du keinen Erfolg hast, dann bist du eben selber schuld, weil du es offensichtlich nicht richtig probiert hast. Der Trainer aber bleibt unfehlbar.” Zudem werde das Problem des Versagens individualisiert, Misserfolge personalisiert, das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aber von Schuld freigesprochen.

Colin Goldner, Leiter des Forums Kritische Psychologie, diagnostiziert “Denk- und Wahrnehmungsdefizite” zunehmend bei Leuten, die den “trivialisierten Hypnosuggestionen” und “pseudodialektischen Heilsversprechen” tingelnder “Drittklassgurus” auf den Leim gingen, und kritisiert den “psycho- und sozialdarwinistischen Machbarkeitswahn” der Motivationstrainer.