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Hugo Makibi Enomiya-Lassalle

Oktober 31st, 2008 · Keine Kommentare

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (* 11. November 1898 auf Gut Externbrock bei Nieheim/Westfalen; † 7. Juli 1990 in Münster/Westfalen) war Jesuit und Zen-Meister. Lassalle kann als ein historisch überaus wichtiger Wegbereiter der Verständigung zwischen Zen-Buddhismus und Christentum angesehen werden (Christlich-buddhistischer Dialog).

Wegen einer Verwundung im Ersten Weltkrieg wurde Hugo Lassalle ins Lazarett von Brilon eingeliefert. Hier legte er 1917 die Kriegsreifeprüfung ab. Ab 1919 war er im Noviziat der Jesuiten in ’s-Heerenberg in Holland, ab 1921 erfuhr er die damals scholastisch geprägte ordenstypische Ausbildung in Philosophie und Theologie in Valkenburg. Nach seiner Priesterweihe am 28. August 1927 absolvierte er das Tertiat, in dem er u. a. in die christliche Mystik (Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz, Thomas von Kempen) eingeführt wurde. 1929 ging Lassalle in die Ostasienmission nach Japan, die durch soziales Engagement das Evangelium verkünden sollte. Neben seiner Tätigkeit als Verwalter des Jesuiten-Gebäudes der katholischen Sophia-Universität setzte sich Lassalle deshalb auch durch Hilfswerke für soziale Belange ein und versuchte den Zen-Buddhismus als geistige Grundlage der japanischen Gesellschaft zu verstehen. 1935 wurde er Missionssuperior (Leiter) der Jesuiten in Japan.

Vor dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte er 1939 nach Hiroshima, wo er über Begegnungen an der Bunrika-Universität dem Zen näher kam. Seit 1943 wurde er von Shimada Roshi im Zen unterrichtet. Den Atombombenangriff der Amerikaner auf Hiroshima am 6. August 1945 überlebte er. Die Krise des Selbstverständnisses der Japaner nach dem verlorenen Krieg nahm Lassalle zum Anlass, demokratische Gesellschaftsstrukturen und die christlichen Ansätze verstärkt zu verbreiten. Ab 1947 versuchte er durch sein Engagement für die alte japanische Kultur die Menschen durch Buddha zu Christus zu führen, dazu hielt er gemeinsam mit Zen-Mönchen Vortragsreihen.

Unter dem Namen Makibi Enomiya wurde er japanischer Staatsbürger, 1948 Generalvikar der Diözese Hiroshima. Am 6. August 1954 wurde die von ihm gebaute Friedenskirche in Hiroshima eingeweiht. Wegen Streitigkeiten mit dem Bischof wurde er dort nicht Pfarrer, sondern Koordinator der Missionstätigkeiten im Gebiet um Hiroshima und versuchte in den folgenden Jahren weiter über die Zen-Erfahrung das Christentum zu verbreiten.

Lassalle erteilte 1962, ein Jahr nach dem Tod seines Zen-Meisters Harada Daiun Roshi, im neuen Schulungszentrum zum ersten Mal Exerzitien in Kombination mit Zazen. Im selben Jahr sprach er auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom über neue Formen von Seelsorge und Liturgie.

Immer wieder war sein Ansatz bei christlichen Theologen als Vermischung des Christentums mit als unvereinbar angesehenen Ansätzen des Buddhismus heftigst umstritten. 1973 wurde Lassalles Kensho durch Yamada Kôun Roshi anerkannt und Lassalle damit Zen-Meister. Damit war für Lassalle der doppelte Weg ein einziger geworden, den er mit seinem Doppelnamen (Hugo-Makibi Enomiya-Lassalle) unterstrich. Die letzten Jahre seines Lebens sind geprägt von dem Versuch einer tieferen Durchdringung von Zen und Mystik in christlichen und außerchristlichen Erfahrungen und dem Bestreben, die Einheit des Weges als „christlichen Zen“ über Meditationskurse (u. a. in Deutschland) zu vermitteln.

Am 7. Juli 1990 starb Lassalle nach mehreren Operationen in Münster, nachdem er krankheitsbedingt nach Deutschland zurückgekehrt war.

Tags: Lexikon (der SelbstAkademie)